Liebe Gemeindeglieder, liebe Leser,

das altehrwürdige Gebäude der traditionsreichen ehemaligen Zeitzer
Klavierfabrik Helling & Spangenberg ziert eine Sonnenuhr. MUSICA SOLEMr
IN DOMUM PORTAT ist darauf zu lesen, zu deutsch: die Musik bringt Sonner
ins Haus. Das dem so ist, das Musik Freude, Trost, Halt, Sinn und Erfüllung
geben kann, wenn man sich mit ihr beschäftigt, sich auf sie einläßt, mit ihr
verschmilzt, kann ich nur bestätigen, was sich nicht zuletzt
in meiner Berufswahl zeigt.
Doch wer bringt uns allen, wer bringt dem Haus unseres Herzens und unserer
Seele das Licht, wer beleuchtet die dunklen Ecken und Räume, die Horte sind
für Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Zweifel, Haß, Not und Leiden ?
Dies ist die Nacht, da mir erschienen / des großen Gottes Freundlichkeit; /
das Kind, dem alle Engel dienen, / bringt Licht in meine Dunkelheit, /
und dieses Welt- und Himmelslicht / weicht hunderttausend Sonnen nicht.
Schon 1684 beantwortete der Liederdichter Kaspar Friedrich Nachterhöfer diese
essentielle Frage mit der eben genannten schönen Strophe.


Unser Titelbild gibt in beeindruckender Weise dieses göttliche Licht wieder,
welches Christus, unser Erlöser, der unsere Mitte sein will und sein soll, in die
Welt trägt: Der gesamte Teil, der die heilige Familie umgibt, besteht aus nichts
als Licht, alles umgebend, alles umfassend, alles überstrahlend. Welch ein
Rahmen für Gottes größtes Geschenk an uns:
                                                                                                                                                                      Der immer schon uns nahe war, / stellt sich als Mensch den Menschen dar.

Gott als Mensch, Gott als Kind: schwach, verletzlich, schutzbedürftig. Wie eine
schützende Glasglocke wird das Jesuskind um schirmt:
Maria und Josef betrachten es froh.
Auf den ersten Blick eine Art geschlossene Gesellschaft. An eine solche erinnert
mich oft Kirche leider auch: abgeschirmt, sich selbst verwaltend und ohne
Strahlkraft nach außen.
Aber auf einen ersten Blick folgen weitere. Das Bild auf der Titelseite unseres
Gemeindeblattes gibt uns als Menschen, als Christen, als Kirche die Antwort:
Christus ist die Mitte!   Unser Gesangbuch drückt es so aus:
Jesu, der du bist alleine / Haupt und König der Gemeine.

Das Kind im Zentrum bricht die geschlossene Gesellschaft auf, es wendet sich
dem Betrachter, der Außenwelt zu, mit offenen Armen, mit offenem Blick.
Christus und damit Gott selbst lädt uns zu sich ein, in sein Licht, in seine
Geborgenheit: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich
will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) Mehr noch, Er will uns erlösen, frei
machen von aller Schuld, will beseitigen, was uns trennt von Gott:
Uns wird erzählt von Jesus Christ, / uns wird erzählt von Jesus Christ, /
daß er die Tür zum Vater ist, / daß er die Tür zum Vater ist.
Christus zeigt uns den Weg zum Vater, nimmt unsere Schuld auf sich und
erinnert Gott an seine Gnadenzusage. Christus zeigt uns auch den Weg und den
rechten Umgang mit unserem Nächsten durch sein Lebensbeispiel. Wenn wir
diesem Weg folgen, ihn als Karte und als Messlatte unserem eigenen Handeln
zugrunde legen, wird ein Teil dieser Strahlkraft auf uns über und von uns
ausgehen, von uns als Menschen, als Christen und als Kirche. Wir haben den
wahren Schatz, die Lösung in unserer Mitte. Eine übrigens zeitlose,
immer gültige Lösung, die in ihrer Kraft und Wahrheit keines Mitschwimmens
mit Zeit- und anderen Ungeistern bedarf :
Nimm an des Christus Freundlichkeit, / trag seinen Frieden in die Zeit!
Diese Nachfolge wird mir und sicherlich auch vielen von Ihnen nur höchst
unvollkommen gelingen, aber es kommt nicht darauf an, den Herren
„werkgetreu“ nachzuahmen, sondern sich auf den Weg zu machen in die richtige
Richtung, auf die der Wegweiser Christus weist, in unserem Denken wie in
unserem Handeln. Wir werden so manchen Umweg gehen, so manchem Irrtum
erliegen. Doch sollten wir nie das Ziel, den Mittelpunkt aus den Augen
verlieren, ebenso wenig, wie die Tatsache, daß wir bei Gott Gnade und
Vergebung, daß wir Annahme mit all unseren Schwächen und Stärken finden,
was er uns durch Christi Leben und Sterben  zugesagt hat  .                                                                                                                                                                          Groß ist des Vaters Huld, / der Sohn tilgt unsre Schuld. /                                              Wir warn all verdorben / durch Sünd und Eitelkeit, /                                                      so hat er uns erworben / die ewige Himmelsfreud. /                                                              O welch große Gnad, / o welch große  Gnad!                                                                                                                                                                                    Wir sind Gottes Kinder und dürfen uns auch in der diesjährigen Advents- und
Weihnachtszeit ein weiteres Mal freuen über Gottes unvergleichliche
Zuwendung uns gegenüber: Uns wird erzählt von Jesus Christ, daß er uns
Bruder worden ist, ja mehr noch:
Uns wird erzählt von Jesus Christ, / daß er die Liebe Gottes ist.
Und so freue ich mich mit Ihnen allen wieder auf die Worte aus dem
Lukasevangelium 2, 10+11:                                                                                                             Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem
Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids
. Mit diesem kleinen Exkurs in den allein schon textlich bemerkenswerten
Reichtum unseres Evangelischen Gesangbuches wünsche ich Ihnen auch im
Namen von Pfarrer Lohmann und allen anderen Mitarbeitern eine gesegnete
Advents- und Weihnachtszeit.

                                                                                           Ihr Kantor Dirk Zimmermann