Andacht

Andacht

Liebe Leser,

die Zeichen der Zeit erkennen und handeln – so las ich es auf einer kleinen Karte schön und einfach.

Aber konkret ist es wie so oft nicht ganz so klar und einfach damit. Unsere Zeitzeichen sind unruhig und manchmal auch schwer fassbar. Das gilt in der radikalen Entwicklung in unserer Gesellschaft, aber auch in der internationalen Sphäre, wo Unsicherheit und akute Probleme vorhanden und gelöst werden müssen. Und scheinbar nicht viel passiert oder sich bewegt.

Auch auf der kirchlichen Ebene finde ich diesen Eindruck wieder. Die Frage nach dem „Wohin“ ist eine umstrittene. Das ist in den Gesprächen und Zusammenkünften auf allen Ebenen spürbar.Und gleichzeitig erleben wir im Kirchenjahr eine immer wiederkehrende Erneuerung.

In der Geburtsgeschichte zu Weihnachten ganz besonders. Dort,wo Leben entsteht und weitergeht, dort wächst es auch weiter. Und das nicht unbedingt nur statistisch. Der in sich lebendige Geist einer Gemeinschaft hat immer die Kraft, eine Außenwirkung und anziehende Ausstrahlung zu entfalten. Das war selbst einer ortsüblichen Futterkrippe und wenigen zunächst so unbedeutenden Menschen in Bethlehem möglich.Und zwar genau durch so ein Zeichen,das am Himmel zu sehen war, wenn sieden Kopf hoben und vom Blick auf die Erde weg die Richtung änderten.

Das klingt mit im Monatsspruch für den Dezember in der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus im 2. Kapitel: Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. Den Blickwinkel heben und darauf vertrauen,dass mein Glauben und seine vielen Ausdrucksformen unter einem guten Stern stehen und sich wieder erneuern.Das kann und darf ich mit Weihnachten erleben.

Der Anspruch einer hohen Verbindlichkeit auch für Andere ist dabei eher hinderlich. Sondern zunächst bin ich selbst gefragt, wie sehr ich mich von dieser Freude am hellen Weihnachtsstern anstecken und anleuchten lasse. Denn wenn es mich erreicht, dann bin ich Teil dieses Glanzes und kann gesehen werden. Freude lässt sich dabei aber nicht erzwingen oder herbeireden, aber ihre Voraussetzung ist meine Offenheit.

Und damit kann ich mich auch wieder den Fragen und Zeichen der Zeit zuwenden.Ich wünsche uns eine solche helle, gesegnete Advents- und Weihnachtszeit mit vielen sternklaren Augenblicken und grüße Sie alle herzlich,

Ihre Pfarrerin
Friederike Kaltofen